Burggarten, Rothenburg Ob Der Tauber

Die Keimzelle der Stadt

Von Gästen und Bewohnern wird der Burggarten gleichermaßen gern genutzt

Der Burggarten ist das Naherholungsgebiet der Anwohner. Meist kommen sie zum abendlichen Spaziergang hierher. Denn tagsüber ist der Park voller Besucher, die den wunderbaren Rundblick über das Taubertal mit der Doppelbrücke und der Kobolzeller Kirche und zurück auf die südliche Stadt genießen. Im Frühling, Sommer und Frühherbst zeigt sich das Umland von seiner bunten Seite. Das ist allerdings auch die Zeit, in der das Touristenaufkommen in voller Blüte steht und die kleine Stadt mit rund 12000 Einwohnern jährlich rund zwei Millionen Gäste zählt. Von der kaiserlichen und gräflichen Doppelburg auf dem hohen Gebirgsvorsprung sind seit dem 12. Jahrhundert nur noch das Burgtor und die Blasiuskapelle erhalten. Der öffentliche Park bietet auch einen schönen Blick auf den eigenartigen hellblau gestrichenen Wohnturm des Topplerschlösschens. Im Jahre 1388 erbaut, diente es dem mächtigen Bürgermeister Toppler als Erholungssitz. In dem früheren Wasserschlösschen traf er sich unter anderem mit König Wenzel. Zu Ehren des Altbürgermeisters findet sich im Burggarten ein Toppler Gedenkstein. Seit September 2010 schmückt den Park zusätzlich eine Stauferstele zur Erinnerung an das Geschlecht der Staufer. Ein nächtlicher Spaziergang durch den Burggarten ist zu jeder Jahreszeit empfehlenswert, weil die Stimmung dort an Romantik kaum zu übertreffen ist – das angeleuchtete Burgtor, die Lichter der Stadt und die Ruhe der Umgebung machen ihn zu einem Idyll. Eigentlich ist der Name „Burggarten“ irreführend, denn eine Burg des 12. Jahrhunderts hatte keinen Garten. Richtigerweise müsste es eigentlich heißen „die Gärten anstelle der Burg“. Denn hier errichteten im Jahre 1142 die Hohenstaufen ihre Reichsburg. König Konrad III. regierte von hier aus das Reich. Allerdings war er der einzige Herrscher, der die Rothenburger Burg nutzte. Da seine beiden Söhne relativ bald starben, verlor sie schnell wieder an Bedeutung. Doch die Keimzelle für die Entwicklung der Stadt war gelegt. Von der Burg aus breitete sich die Siedlung auf dem Hügel aus, bis sie im Jahre 1400 mit mehr als 6000 Einwohnern zu den zehn größten Städten des Heiligen Römischen Reiches zählte. Ein Erdbeben zerstörte 1356 die Burganlage, die Steine der Ruinen – damals kostbares Baugut – wurden zum Bau der Stadtmauer verwendet. Einzig die Blasiuskapelle wurde nach dem Beben renoviert. Ursprünglich war dieses Gebäude keine Kapelle, sondern das sogenannte „Hohe Haus der Herzoge“, also wahrscheinlich das Konferenzgebäude, in dem der König seine Gäste empfing. Erst nach der Renovierung wurde der Bau als Kapelle geweiht und dient heute als Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege. An der Blasiuskapelle steht zudem der Gedenkstein zur Erinnerung an das Pogrom von 1298. Der originale Pogromsteins befindet sich im Reichsstadtmuseum. In der Mitte des Burggartens befindet sich die geometrische Gartenanlage aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit insgesamt acht Sandsteinfiguren. Sie repräsentieren die vier Jahreszeiten sowie die vier Elemente. Beim Verlassen des Burggartens in die Herrngasse siehen die Besucher am markanten Burgtor eine Maske, aus deren Öffnung früher heißes Pech von den Verteidigern der Burh auf Angreifer geschüttet wurde. Im inneren Torflügel ist eine kleine Türe eingebaut, das sogenannte Nadelöhr, ein Durchstieg nur für eine Person.

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